Highway of tears
Walk4Justice
Das erste Mal hörte ich 2009 vom „Highway of tears“.
Ich lebte in Kanada und überraschenderweise las ich in einem Deutschen Magazin davon. Ich war geschockt und konnte kaum glauben, was ich da las. Ich dachte, wenn das wahr wäre, hätte ich schon davon hören müssen. Aber es war wahr und, obwohl ich im selben Bundesland des Highways of tears lebte, hatte ich noch nie zuvor vom ihm gehört.
Der Highway of tears ist ein Abschnitt des Highways 16 zwischen Prince George und Prince Rupert, an dem viele indigene Mädchen und Frauen verschwunden sind.
Bis 2005, als die erste weiße Frau vermisst wurde, befragte die Polizei keine der indigenen Familien zu ihren vermissten und ermordeten Töchtern, Schwestern und Ehefrauen.
Das Vermissen und Morden geht weiter und nimmt heute sogar deutlich zu.
Auf dem „gestohlenen“ kanadischen Land lebend, fühlte ich ein starkes Bedürfnis zu unterstützen.
Ich schrieb einen Artikel für unsere kleine lokale Zeitung.
Ich traf die „First Nation“ Menschenrechtsaktivistin Gladys Radek und stehe seitdem mit ihr in Kontakt.
Nach unserem ersten Treffen war fehlten mir die Worte für das, was ich gehört hatte. Mein Herz fühlte sich gebrochen an.
Ich spendete privat für den Walk4Justice, eine gemeinnützige Organisation, die im Januar 2008 von Gladys Radek und Bernie Williams mitgegründet wurde um auf die Notlage der viel zu vielen vermissten und ermordeten Frauen in ganz Kanada aufmerksam zu machen.
Da ich dazu beitragen wollte, die Situation des „Highway of tears“ international bekannter zu machen, machte mich auf die Suche nach einem Journalisten, der darüber schreiben wollte. Die meisten Journalisten (und Zeitungen) weigerten sich über dieses Thema zu schreiben.
Doch dann lernte ich den deutschen Journalist Sebastian Moll kennen und er flog zusammen mit der Fotografin Carolin Saage nach Canada um Gladys Radek zu treffen und vor Ort für den Artikel zu recherchieren.
Im Juni 2012 wurde der Artikel dann auf „Spiegel Online“ veröffentlicht.
Nun haben wir Ende 2025.
Gladys Radek, Fürsprecherin für „Vermisste und ermordete indigene Frauen und Mädchen“ (MMIWG) und „Vermisste und ermordete indigene Mädchen“ (MMIP)“ schreibt:
„Nur zwei der 231 Empfehlungen („calls for justice) wurden umgesetzt. Die Zahl der vermissten und ermordeten indigenen Frauen und Mädchen sowie unserer Jungen und Männer ist im letzten Jahrzehnt erheblich gestiegen, der Völkermord geht weiter. Die Polizei wurde für ihre Beteiligung an ihrer Brutalität, dem Strafjustizsystem und dem Rassismus, die es heute eindeutig gibt, nie zur Verantwortung gezogen. (...)
Wir haben sechsmal erfolgreich im ganzen Land demonstriert, um auf die Situation aufmerksam zu machen und Empfehlungen zum Schutz unserer gefährdeten Bevölkerungsgruppen vor weiterer Gewalt zu erarbeiten.
Die Nationale Öffentliche Untersuchung bestätigte unsere These, dass es sich bei dem Vorgehen der Regierung um Völkermord handelt. (...)
Die systemischen Versäumnisse bestehen weiterhin, da bisher nur 2 der 231 Empfehlungen umgesetzt wurden. Gleichzeitig wächst unsere Datenbank zu MMIP (Missing and Murdered Indigenous Peoples) täglich weiter an.
Dieses Jahr haben wir es mit einer neuen Regierung zu tun. (...)
Die neue Regierung plant, unsere Verträge zu brechen und unser Land zu enteignen, um die Infrastruktur für (...) die Ausbeutung unseres Landes, dem Abbau von Bodenschätzen und der Verschmutzung unserer Gewässer zu errichten. Ihr Vorhaben wurde von 5 auf 2 Jahre beschleunigt. Das bedeutet, wir werden nicht konsultiert.
Die Regierung wird Arbeiterlager errichten, um Menschen in abgelegene Gebiete zu bringen. In solchen Fällen verschwinden viele unserer jungen Frauen und Mädchen, Männer und Jungen und werden vergewaltigt und ermordet aufgefunden.
Seit dem Amtsantritt der neuen Regierung ist Rassismus deutlich stärker geworden und nach wie vor weit verbreitet.
Angesichts der aktuellen politischen Lage im Land wäre es für uns nicht sicher, auf den Autobahnen zu demonstrieren. Wir wollen das Leben unserer Demonstranten nicht gefährden.
Wir organisieren jedoch bereits den Marsch für das nächste Jahr, Walk4Justice2026, vom 21. Juni bis 14. September 2026. Auch dieser Marsch ist vollständig auf Spenden und ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen.
Alle Teilnehmenden sind Angehörige von Menschen, die einen geliebten Menschen verloren haben und für ihren Verlust weder Antworten noch Gerechtigkeit erfahren haben.
Was wir wollen?
Wir wollen Antworten, wir wollen Gerechtigkeit, wir wollen Veränderung!
Wir wollen, dass die indigene Bevölkerung im ganzen Land nicht länger ins Visier genommen wird.
Wir sind die Hüter dieses Landes namens Kanada und werden weiterhin für unsere Rechte kämpfen.
Wir werden alles Notwendige tun, um diesen andauernden Völkermord zu beenden.
Wir beten für alle unsere Mitmenschen, dass sie sicher, stark und gesund für unsere zukünftigen Generationen bleiben.
Respekt für alle.“

„Ich werde nie vergessen, was er in diesem Moment zu mir sagte: „Ich habe keine Zeit!“
Also, Herr Justin Trudeau, wir haben auch keine Zeit für Ihre Diktatur! (...)
Genug ist genug. Wir, das Volk, müssen für positive Veränderungen für unsere zukünftigen Generationen kämpfen. Heute leiden unsere Kinder still und sterben ohne Hoffnung auf die Zukunft. Geben wir ihnen Hoffnung … sonst wird der Völkermord weitergehen.“
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Tears to Hope Society
Die Tears to Hope Society ist eine von Indigenen geführte Organisation, die 2019 gegründet wurde. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Unterstützung der Familien vermisster und ermordeter Angehöriger, indem sie ihr Leben ehrt und ihnen einen sicheren Ort der Heilung bietet.
Die Tears to Hope Society nimmt Spenden entgegen – auch für den abschließenden Walk4Justice.
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Für mehr Informationen über den Highway of tears, den Walk4justice und
Gladys Radek: